Wie beim Hundeprofi…..

Wochenende. Ich mutiere zur Hausfrau. Das ist allerdings kein Leben. Man kommt nicht vor die Tür, außer zu Aldi oder so, die Wohnung erscheint immer dreckiger, je mehr man in die Ecken sieht und Kollegen zum Quatschen und Kaffee trinken hat man auch keine.
Meine Horrorvorstellung ist, dass ich eines Tages alles sauber gemacht habe (aber wirklich alles!!) und dass ich dann fix und foxi – im doppelten Sinne- auf einem Stuhl mitten in der Wohnung sitzen muss und mich nicht mehr zu bewegten traue, aus Angst wieder etwas einzuschmutzen oder zu verunordentlichen. Und auf der Straße hörte man langsam ein Martinshorn näher kommen….

Um so etwas schon im Ansatz abzuwürgen, bin ich lieber einkaufen gefahren, aber bloß um die Ecke zum Discounter.
Ich schob mich so durch die Gänge und verfolgte dabei ohne Absicht einen Vater mit seinem schätzungsweise 6- jährigen Sohn. Sohn, moppelig, schon ein bisschen x-beinig und ziemlich schlecht gelaunt, ließ seine Hand im Vorbeigehen gelangweilt an den Waren entlang streifen, so als ob er nur auf etwas warte. Als dieses Etwas kam, griff er zu.
Chips, natürlich, was sonst!
Er schmiss die Tüte in den Wagen, aber der Vater beförderte sie gleich wieder zurück in den Karton. Der Junge legte die Tüte wieder rein, der Vater wieder raus, der Sohn quengelte los, der Vater fasste ihn am Handgelenk, sah ihm in die Augen und redete eindringlich halblaut auf ihn ein.
Ich schaute fasziniert zu, konsequente Erziehung beeindruckt mich immer.
(Jaja, Frau Freitag, Sie doch auch, oder?)
Der Junge hängte sich an den Wagen und quengelte lauter. Der Vater schob den Wagen weiter, der hängende Junge erschwerte die Weiterfahrt. Der Vate, nun schon sichtlich genervt, zog ihn vom Wagen weg. Der Junge warf sich nun geradezu castormäßig VOR den Wagen. Der Vater nahm ihn an einem Arm hoch, schnauzte ihn an und ließ ihn wieder fallen… Dann ging er  schimpfend weiter.

Der hoffnungsvolle Knabe blieb noch einen Moment am Boden liegen, stand dann ein bisschen umständlich auf und ging  zu den Chipskartons zurück.
Er sah die Chips mit geweiteten Pupillen an ( nein, ich gebe zu, das konnte ich nicht sehen, aber bestimmt war es so!) und streckte dann langsam die Hand nach ihnen aus.
In dem Moment, als seine kleinen, dicken Fingerchen eine der Tüten berührten, machte es ganz laut:
„MÖÖÖÖÖÖNK“.
Sohn schrak zusammen, ließ die Hand fallen, sah sich scheu um und sauste wie ein Blitz ohne Chips hinter seinem Vater her.
Dieser komische laute Ton…kam er aus dem Himmel, von einer Kasse, die ihren Geist aufgab oder hatte der Vater eine Tröte in der Hosentasche? Nobody knows.

Ehrlich gesagt, ich war ein bisschen schadenfroh…

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11 Antworten zu Wie beim Hundeprofi…..

  1. Noga schreibt:

    Früher lief das durchaus unter der Bezeichnung „Erziehung“ – und hat nicht mal so schlechte „Ergebnisse“ hervorgebracht.

  2. fraufreitag schreibt:

    Das war Allahhhhh, der seinen teil zur Konsequenten Erziehung beitrug. das macht er manchmal, wenn man sich als Eriehender wirklich viel Mühe gegeben hat.

  3. jule schreibt:

    cool so ein Möööönk!!
    Aber was mir an ihrem Blogeintrag noch viel besser gefällt ist das Adverb „castormäßig“ ;-)))

    Schönes Wochenende,
    Jule

  4. totsfaultier schreibt:

    Das war eine Minijobber… Beauftragt von der Arbeitsagentur 😉

  5. Zaphod schreibt:

    Gute Güte, ich dachte tatsächlich im ersten Moment, wie zum Teufel kann man seinen Sohn Mönk nennen.

  6. Vera schreibt:

    Operantes Konditionieren, super! *rofl*
    Beim nächsten Einkauf lässt er die Finger von den Chips…

    • friedensfisch schreibt:

      Das wird sicher noch generalisiert, erst auf Erdnuss-Snips, Gummibärchen und ähnlich Verpacktes, später auf Pringles, irgendwann auf Oblaten und schlussendlich auch Kopfpolster 😀

  7. Renate schreibt:

    also- ich hätte jetzt auf Frau Krise getippt-
    so zur Unterstützung des Vaters…..
    aus Kenntnis des pawlowschen Experiments

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