Abooooo!

Meine Brille – sie ist ein sensibles Wesen und neigt zu selbstzerstörerischem Verhalten…Gestern stürzte sie sich aus nichtigem Anlass vom Tisch und ein Glas zerschellte. Super!
Zwischen meinen Praktikumsbesuchen, die heute für den blog unergiebig waren, steuerte ich also den Optiker meines Vertrauens an, auf der Nase die Ersatzbrille, ein unflottes, bereits leicht ramponiertes Teil. Ich beschloss, nicht nur meine Brille reparieren zu lassen, sondern auch noch eine vernünftige Zweitbrille zu erstehen.

Eine mir unbekannte junge Dame bediente mich.
Das sah so aus:
Sie wies mit einer müden Handbewegung auf die Regale und überließ mich meinem Schicksal.
In der Zwischenzeit  hielt sie ein Schwätzchen im Hintergrund.
Nach einiger Zeit  stellte sie sich neben mich und beäugte eingehend meine kaputte Brille.
„Prada“, murmelte sie, „ diese Modefirmen sind eben keinen Brillenfirmen…sollte man nicht kaufen.“
„Ich habe mir die Fassung nicht gekauft, weil sie von Prada ist, sondern weil sie mir gefiel,“ verteidigte ich mich.
„ Hmmm,“ sagte die junge Optikerin.
Es klang ungläubig und regte mich innerlich ein bisschen auf. Denkt die, ich bin bescheuert oder was? Die Brille wegen einer Marke zu kaufen? Hässlichkeit!!!
Dabei fiel mir auf, dass das ganze Regal, vor dem ich stand, mit Brillengestellen von Armani, Boss, C.Klein, Dior, Gucci, Versace, Chanel, Diesel, Porsche und was weiß ich noch alles, gefüllt war. Das sind ja wohl auch keine klassischen Brillenfirmen, oder?
Ich schluckte schwer, schwieg jedoch.
Im Nachbarregal fiel mir ein Gestell positiv auf und es sah auch tatsächlich auf meiner Nase gut auf. Ich schielte auf die Marke: Auf der Innenseite des Bügels stand: FACE A FACE, Paris.

Ich fragte die Optikerin leicht ironisch:„Ist DAS denn eine gute Brillenmarke: face a face?“ Vorschriftsmäßig sprach ich den Namen französisch aus.
Die kleine Optikerin lächelte maliziös und antwortete: „Fäce a fäce …..dis ist englisch.“
„ Ach so“, sagte ich, „englisch ist das, soso, wird ja auch in England gefertigt die Brille, wie ich sehe, Paris“.
„ Nein, Paris liegt in  Frankreich, “ sagte das holde Wesen und sah mich bekümmert an.

Jetzt reichte es mir. Ich rupfte ihr mein Brillengestell aus der Hand, sagte hoheitsvoll:
„Ich hab es mir überlegt, ich will doch keine neue Brille“, und stürzte aus dem Laden.

Nach diesem erfolglosen Event fuhr ich erst mal tanken. An der Kasse kuschelte sich ein Hühne von einem Araber seitlich an mich, was mich besonders beim Eingeben der Geheimnummer extrem nervte. Dann streichelte er mir auf einmal sanft über den Oberarm…ich fuhr herum und erkannte Fatih, einen ehemaligen Schüler, der vor etwa 8 Jahren ohne Abschluss von der Schule ging. Er war total lieb und nett, aber er hatte echt keinen Plan von garnichts und macht auch jetzt „nichts Besonderes“, wie er sich auf Nachfragen ausdrückte.

„Sind Sie immer noch an der Schule?“, fragte er und als ich nickte, flötete er: „Sie sehen auch immer noch so jung aus….“.
Für diese Lüge hätte ich ihn eigentlich schlagen müssen, aber er sah mich so freundlich mit großen braunen Dackelaugen an, dass ich für einen Moment geneigt war, ihm zu glauben…..(Bitte dazu keine Kommentare!)

Sprachs und stieg in ein oberfettes blitzendes schwarzes Mercedeskabriolet….während ich auf meinen ungewaschenen Kleinwagen zu schlich…..

Was mache ich eigentlich falsch?

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35 Antworten zu Abooooo!

  1. Herr Rektor schreibt:

    Mit ein bissel sparen reicht es auch bei A12 oder A13 für nen Benz 😉

  2. kochschlampe schreibt:

    Was die Brillen angeht: ich bin überzeugte Anhängerin des Brillenkaufs im Internet. Was sicherlich auch daran liegt, dass ich die Sehkraft eines Maulwurfs habe und vernünftige Gläser bei hiesigen Optikern absurde Preise annehmen, während der Internetoptiker etwa 10 % davon für die gleiche Qualität nimmt.

  3. katerwolf schreibt:

    was für ein schöner beitrag, hat mich richtig gut draufgeschickt nach einem eher bescheidenen tag. deine episode im brillengeschäft erinnert mich sehr an meine heute im kaffee-shop 😉

    liebe grüße und au revoir, katerwolf

  4. zimtapfel schreibt:

    Frl. Krise, was Konsequenz gegenüber arrogantem, überheblichem Verkaufspersonal (ja, liebe Optiker, auch ihr müsst verkaufen können) angeht, sind Sie ab heute mein Vorbild! Gut gemacht!

  5. Shannon schreibt:

    Heute kein Kommetar, weil Sie mir den Mund verboten haben.
    (Sonst: Ohhhhhhh, wie süüüüüüüüß! Freuen Sie sich doch! Ist doch voll lieb! Oh, so ein lieber Schüler! Jung! Hach! Süß. Süüüüüß.)

    • frlkrise schreibt:

      Was? Wie? Wann? Mund verboten? Bin mir keiner Schuld bewusst……

      • Shannon schreibt:

        „Für diese Lüge hätte ich ihn eigentlich schlagen müssen, aber er sah mich so freundlich mit großen braunen Dackelaugen an, dass ich für einen Moment geneigt war, ihm zu glauben…..(Bitte dazu keine Kommentare!)“ :´-/

  6. ViaE schreibt:

    Hmmm, wieso bloss erinnert mich der Satz mit dem Benz an meinen Header?^^
    „Was mache ich eigentlich falsch?“ Naja, vielleicht gönnt man (frau) sich einfach nur zu teure Brillen? Und lässt denen ihr Eigenleben? Who knows…

  7. Sanna schreibt:

    Ach bitte, Frl. Krise – fragen Sie bei Fatih doch bitte mal nach, wie man mit „nichts Besonderem“ genügend Geld für ein oberfettes Mercedes-Kabrio verdienen kann. Für diese Tätigkeit interessiere ich mich brennend!
    Ich mache nämlich offenbar auch etwas falsch: trotz eines acht- bis zwölfstündigen Vollzeit-Jobs reicht es bei mir nur zu einem (sehr) gebrauchten Klein(st)wagen. Und damit mein Kind auch gut, teuer und erfolgreich studieren kann, wird das kleine Töff-Töff an der Tanke in der Regel für höchstens für 30 Euronen betankt.

    Irgendwas müssen ihre Chaos-Kids offenbar doch richtiger machen als unsereins mit „ordentlichem“ Schulabschluß, erfolgreich abgeschlossener Ausbildung und als Steuern zahlender Arbeitnehmer…

    • frlkrise schreibt:

      Ich sage nur: Import-Export…!

      • Sanna schreibt:

        Import-Export?!?! Na hör’n Se mal – das macht unser Bund doch auch (ich sach bloß: ab mit unseren Steuergeldern nach Griechenland). Aber dabei wird -zumindest der Bund- echt nicht reich, sondern ist auf erhöhte Subventions-Leistungen seiner Bürger (Steuern genannt) angewiesen. Wie denn nun?!?!

      • Marc schreibt:

        Genau, Import-Export. Mit Geschäften, die man praktischerweise nicht versteuern muss, äh … sollte. Und da so Brutto gleich Netto geworden ist, bleibt auch was über. 😀

      • Zaphod schreibt:

        Man muss nur die richtigen Waren importieren. Gemüse und anderes Grünzeugs z.B. 🙂

    • Mikki Sixx schreibt:

      also zur finanzierung von benzern: kleingaunereien bis drogendealen bringt genug ein, um so ne schüssel auf leasing zu benutzen. machen sie sich bitte nicht die illusion, dass fatih das auf legalem weg erreicht hat (vor allem mit „nichts besonderem“).
      zu unfähigen bis frechen verkäufern und/oder bedienungen in lokalen:
      ich bin ganz schnell weg, wenn sowas passiert, und bin zufrieden, dass es noch andere sehr konsequente menschen gibt! ich gehe ja nicht einkaufen/essen, um mich beleidigen und demütigen zu lassen – also echt. es sollten mehr leute flippen und gehen – vielleicht lernen die unfähigen dann, dass sie ihre unfähigkeit nicht an uns auslassen dürfen?!

  8. Silberaugen schreibt:

    Brillenkauf ist ein Grusel dem ich aus dem Weg gehe, indem ich einmal im halben Jahr meine Kontaktlinsen nachbestelle. Feddisch.

    Zumal ich ebenfalls Maulwurfsichtig bin und mir meine letzte Brille beim Kostenvoranschlag der Gläser („Vierhunnertsiebzich Euro.“) aus dem Gesicht fiel.

    Ich hab auch keine Ahnung, wie die das immer machen. Das ist wohl unser Los 🙂

    Alles Liebe,

    Silberaugen

  9. Katarina schreibt:

    Möp. Ich hab dazu gar nichts zu sagen. Aber wenn ich bei Frau Freitag einen Kommentar hinterlasse muss hier irgendwie auch einer her. Und umgekehrt. Ja.

  10. Matt schreibt:

    Frl. Krise, was Sie falsch machen, außer Hüne mit zwei h zu schreiben, und das als Deutschlehrerin? Keine Ahnung.

    @Sanna: Hier auf St. Pauli gibt es immens viele Möglichkeiten, zu einem Mercedes-Cabrio zu kommen. Wenn Sie mir ein Ganzkörperfoto von sich schicken, kann ich Ihre diesbezüglichen Chancen abschätzen … 😉

    • frlkrise schreibt:

      Hüne ohne das 2. h sieht komisch aus…..
      Die Chancen stehen schlecht!

      • Sanna schreibt:

        Frl. Krise, guckst du Wikipedia. Oder Duden! 🙂

      • zahnwart schreibt:

        Ich gebe meinem geschätzten Kollegen Matt ungern recht, aber: „Hüne“ kommt tatsächlich nicht von „Huhn“. Andererseits glaube ich, dass es auch für Deutschlehrerinnen wichtigeres gibt als eine zu 150 Prozent korrekte Orthographie, nein, gerade bei Deutschlehrerinnen. Die Argumentation „sieht komisch aus“ ist da schon ein guter Ansatz.

      • antagonistin schreibt:

        Hüne kommt aber dennoch nicht von Huhn. 😉

        Wie sieht es eigentlich aus mit Teilen der neuen Rechtschreibung, deren Schreibweise sowohl aus etymologischen, als auch optischen Gründen die Tränen in die Augen treibt? Ich weigere mich seit der Umstellung erfolgreich die Wörter „Phantasie“ und „Biographie“ mit f zu schreiben. Ginge ich noch zur Schule, ließe ich es auch dort auf einen Diskurs ankommen. Wie stünden meine Chancen beim Diktat? 🙂

      • frlkrise schreibt:

        Ginge bei mir durch….! Ist nämlich beides erlaubt!

      • friedensfisch schreibt:

        Warum denn nicht vom Huhn? Das leuchtet mir jetzt gar nicht ein… Ein hü(h)nenhaftes Huhn eben. (aba ich bin ja onehin imma füa so schreim wi ma spricht. is das beste an da linguistig, das di leude das zumindest in da deori auch so seen.)
        bezüglich „sieht komisch aus“- das is wi mit „fotographieren“, das ich, wen ichs grad nicht fodografian schreib, imma so schreib. wis noch nii richtig wa.

      • frlkrise schreibt:

        ja, oder ein hühnerhafter hü(h)ne…gibts doch auch,oder?

      • friedensfisch schreibt:

        ja, DAS gibt es auf jeden fall.

  11. frau freitag schreibt:

    was Sie falsch gemacht haben??? Liegt doch auf der hand – hat doch die optikerin auch schon gesagt: SIE HABEN DIE FALSCHE BRILLE!!!!!

  12. die kleine Frau schreibt:

    Als jahrelanger Brillenrträger habe ich ja für Optikerbesuche eine zweigleisige Strategie entwickelt: Entweder gehe ich zu einem Inhabergeführten Brillengeschäft, dann erwarte ich etwas teurere Brillengestelle und eine erstklassige Beratung und Bedienung, oder ich gehe zum lokalen Kettenoptiker, erwarte keine großartige Beratung, habe aber gleichzeitig viel Auswahl auch von billigen Gestellen. Für beides braucht es aber Zeit und Geduld und ein bischen Lust 😉
    Ich habe allerdings auch ausgesprochen unkomplizierte Augenfehler.

  13. audiofille schreibt:

    häßlichkeit!!!!111
    wie ich dieses wort liebe. wird gleich unter „universalwörter für den arbeitsweg“ irgendwo in den gehirnlappen gespeichert.

  14. croco schreibt:

    Was Sie falsch machen? Nichts.
    Ihr Währung ist eine andere, das ist der Unterschied.
    Wenn es Ihnen tatsächlich um Geld und tolle Autos gegangen wäre,
    wären Sie damals nie und nimmer Lehrerin geworden.
    Schon ein Blick auf den Lehrerparkplatz hätte genügt 😉

  15. tante sushi schreibt:

    Wetten, Fatih ist kein Brillenträger und hat deswegen soviel Geld für schöne Autos übrig?
    Btw ist mein Mann Optiker und berät mich immer ziemlich gut. 😉

  16. kadnerhenry schreibt:

    zwei worte, liebes er-fräulein, hätten sie gern noch in ihre verabschiedung beim optiker einfügen mögen. so wäre eventuell noch etwas pädagogik anzubringen:

    “ich hab es mir überlegt,VON IHNEN ich will doch keine neue brille”

    Fatih ist vielleicht von Beruf Sohn (und hat „eine optische Familie“)

  17. kleinertod schreibt:

    Zufällig hierhergestolpert, lange gelesen, zwei – unter anderem diesen – Eintrag auch gleich laut vorgelesen, weil alles so gut geschrieben und äußerst unterhaltsam ist… Ich bin begeistert. Mein Kompliment zu diesem blog.

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