Zwischen Parfüm und Angstschweiß….

Praktikum, 6. Tag

Leila hat sich den eindeutig edelsten Praktikumsplatz ausgesucht – eine teure Parfümerie in einer feinen Shopping-Mall, natürlich super weit weg von der Schule. Aber darüber darf ich nicht meckern, weil wir ja wollen, dass unsere Schüler endlich ihre Nasen aus dem Bezirk  heraus stecken…
Heute morgen gegen elf Uhr steuerte ich die Parfümerie an (besonders wohlfrisiert und gut geschminkt, schließlich will man ja nicht schon von weitem wie eine abgewrackte Lehrerin aus einem Problembezirk aussehen….) und wurde  am Eingang auffallend freundlich von so einer Art Türsteher begrüßt. Er schmiss sich fast zu Boden  und wies mir den Weg durch die ladenbreite Türöffnung, die selbst ich, kurzsichtig, wie ich bin, nicht übersehen konnte.

Eine überschminkte, mittelalterliche Verkäuferin mit hektischen Gesichtsflecken schoss wie eine Rakete auf mich zu, musterte mich von oben nach unten und wieder zurück, lächelte mich  honigkuchenpferdmäßig süßlich an und flötete etwas von „Helfen oder  erst mal umschauen?“
Ich winkte ab und schaute mich tatsächlich um, nämlich, ob ich Leila zu Gesicht bekäme. Schon stand wie aus dem Boden gewachsen eine zweite Angestellte vor mir…
Die Erste blitzte die Zweite an und zischte: „Die Dame wird schon von mir bedient!“
Hä? Seit wann schlagen sich in der Dienstleistungswüste Deutschland die Bedienungen um die Kunden?
Ich war höchst irritiert und wollte gerade meine Identität lüften, als Leila um die Ecke schielte, mich sah, sich auf mich  stürzte und mir die obligatorischen Küsschen rechtslinksrechts  gab.
„Meine Lehrerin,“ sagte sie bedeutungsschwanger zu den beiden Damen, die im Freeze verharrten und mich mit aufgerissenen Augen anstarrten.

Ehe ich mich näher erklären konnten, sagte die eine enttäuscht:
„Ach sooooo, die Lehrerin“. und die andere unhöflich:
„Leila, geh mit deiner Lehrerin nach hinten, sofort BITTE!“

„Hier lang,“ sagte Leila und wir setzten uns in einen winzigen unaufgeräumten Raum, der in herbem Kontrast zu all dem Glasgefunkel, Chrom, Gold, Duft und Glanz des Ladens stand. Leila grinste mich verschwörerisch an:
„Vallah, Frl. Krise, die dachten, SIE sind die Frau, die heute kommen soll!“
„???“
„Die alles kontrolliert und so. Die wissen nicht, wann sie kommt und wie sie aussieht. Die warten schon die ganze Zeit.“
Sie erklärte mir, dass in regelmäßigen Abständen solche „Kontrolleure“ in Form von schwierigen Kunden den Laden und die Verkäuferinnen checken und alle in Angst und Schrecken davor leben. Leila war natürlich gänzlich unbeeindruckt davon, die fand das auch noch lustig …
Als ich ging, standen alle noch in Habachtstellung  auf ihren Plätzen und am Herrenparfüm schlich so eine verdächtige Gestalt herum- ich schwör’s…mir wurde auch schon ganz mulmig.

Besonders beim Gedanken, dass unsere Schulbehörde so was demnächst auch einführen könnte ….

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8 Antworten zu Zwischen Parfüm und Angstschweiß….

  1. fraufreitag schreibt:

    Schon längst eingeführt! Merkst du denn gar nicht, dass Turgut und Fuat – von der Schulbehörde geschickte Qualitätsprüfer sind? Hallloooohoooo!!!! Frl Kriseeee, aufwachen !!!!!

  2. Shannon schreibt:

    Ich finde nicht, dass die Schulbehörde soetwas verdeckt machen muss. Den Terz, den wir haben, wenn so etwas offen geschieht, ist schon schlimm genug.
    Wir hatten heute Besuch vom IQSH und die Referendarin, die kontrolliert wurde, war schon zwei Stunden vorher nicht mehr ansprechbar. Zu dritt (!) haben wir ihr zusprechen müssen, nachdem sie sich in der Garderobe eingeschlossen hatte, dem einzigen Ort, zu dem wir nicht alle den Schlüssel haben und der mit so einem Drehschalter versehen ist. Und sie brauchte lange, bis sie sich als fähig erachtete, die Tür zu öffnen, geschweige denn, in ihren Unterricht zu gehen, der ja eine geschlagene Stunde später auch noch stattfinden sollte. *Kopfschüttel*

  3. Herr Rektor schreibt:

    Was macht Frl. Kriese denn wenn die untere Schulaufsichtsbehörde HIER schon kräftig am Lesen ist ?

    • Shannon schreibt:

      Sie schickt der unteren Schulaufsichtbehörde ihre Häscher/ süchtigen Blogleser auf den Hals. *muhaha*

    • ViaE schreibt:

      Ich glaub, das Frl. Krise braucht dann gar nichts machen, denn Lesen allein bringt ja eh nix. Man muss es auch verstehen und sollte der Fall irgendwann mal eintreten, würde die Schulbehörde vielleicht mal anfangen, den Frontschweinen adäquate Waffen zu beschaffen. (s.a. Kommentar Shannon und die Referandarin, wobei´s mich schüttelt)

  4. Junge Frau mit Empathie schreibt:

    Aber freuen wir uns doch, dass die Leute in der Edelparfümerie mit Leila zufrieden sind! Eine Erfolgsmeldung Frl. Krise!!! Ihr Verdienst!

  5. Oleg schreibt:

    Jaja… die „verdeckten Ermittler“…

    erinnert mich an die Zeit, als ich während meines Studiums meinen Lebensunterhalt durch Mitarbeit bei einem amerikanischen Gourmet-Restaurant (oder so) bestritt. Da hatten auch immer alle Panik vor nem geheimen Test…

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