Ein Silberstreif….

Praktikum 4. Tag.

Männe sagt, ich neige zur Übertreibung. Stimmt.
Aber im Moment stapel ich hier sogar eher tief, denn ich befürchte, so langsam glaubt mir keiner mehr die Katastrophenmeldungen….
Aber ich schwörs….ich sage die Wahrheit und nichts als die Wahrheit…ja, echt, und ich beschränke mich schon auf das Allernotwendigste, vieles habe ich noch gar nicht erzählt.
Jetzt müsst ihr ALLE sehr tapfer sein…denn ich muss gestehen, dass wir schon wieder ein Opfer des Praktikums zu beklagen haben…Hanna….
Hanna war auf den letzten Drücker vor den Ferien von einer liebreizende Kollegin in einem sehr hübschen kleinen Cafe untergebracht worden. (Alleine sich was zu suchen, hatte Gnä‘ Frau verschmäht.) Montag ist sie dort auch erschienen, Dienstag und Mittwoch fehlte sie unentschuldigt und wurde daraufhin in Ungnaden entlassen.
Natürlich habe ich sofort wutschnaufend mein Händy gezückt und die Nummer ihrer Mutter gewählt…. „Die von ihnen gewählte Rufnummer ist nicht korrekt, bitte überprüfen Sie …..“ An dieser Stelle wollte ich das Händy gegen die Wand schmettern, aber zum Glück saß ich im Auto (Ich fuhr natürlich nicht!). Hausbesuch, oder? SCHEIßE!!!!!! Langsam hab ich die Faxen dicke.

Aber es gibt auch Gutes zu berichten. Doch. Wirklich!
Heute früh habe ich Aynur in einer Kita besucht. Ach, wie süüüüüüß können Kinder sein….. Zweijährige kleine schwarzhaarige Jungs mit abstehenden knallroten Öhrchen, die sich klebrige Brotstückchen hochkant in den Mund schieben (mit beiden Händchen) und mir dabei irgendetwas Unverständliches erzählen…zu niedlich…ich war hin und weg. Der Gedanke an Fuat ernüchterte mich, bestimmt war er auch mal so ein Goldchen.… Und Aynur ganz freundlich und höflich und erwachsen….warum ist sie nicht immer so, vallah?

Im Hinterzimmer einer Apotheke durfte ich dann mit Gülten Kaffee trinken, der Apotheker war voll des Lobs ob seiner Praktikantin und schenkte mir überschwänglich eine Monsterpackung Tempotücher…Eine schöne Creme oder meinetwegen eine Großpackung Hustenbonbons wär mir, ehrlich gesagt, lieber gewesen, aber man weiß ja, dass es dem Gesundheitswesen  schlecht geht und er hat sich immerhin Mühe gegeben, das zählt. Nächste Woche muss ich wieder hin, vielleicht lässt sich da noch was machen…

Und last not least war ich noch bei Gamze in so einem neumodernen Friseursalon, wo der urbane Kunde bei lautester Popmusic wie am Fließband von szenischen Gestalten ex und hopp-mäßig beschnitten wird und man sich  sehr hipp und stylisch vorkommt, außer man ist eine ramponierte Lehrerin im Praktikum. Ich war fix und foxi, weil ich ja bereits Unterricht gemacht hatte und unglaubliche Strecken teils zu Fuß, teils mit öffentlichen, teils mit meinem privaten Verkehrsmittel zurückgelegt hatte. Am liebsten hätte ich mich auf einer dieser dicken Ledercouchen da zusammengerollt und ein kleines Nickerchen gemacht, denn mir qualmten die Socken, aber das wäre Gamze , glaube ich, ein bisschen peinlich gewesen. Sie wurde ürigens auch jäckpottmäßig gelobt!

Also wankte ich sehr bald, sehr unfrisiert von hinnen und schleppte mich lustlos in die Mall gegenüber, es blieb allerdings bei einem kurzen Abstecher, denn ich merkte schon im zweiten Laden, dass ich mein Schlüsselbund auf Gamzes chromblitzender Kassentheke liegen gelassen hatte….

Ich bin groggy, habe mir unterwegs noch nichts Schönes gekauft außer einer Haarbürste, habe ein Knöllchen vom Parken im eingschränkten Halteverbot (mein Gott, da parkten doch alle!) und an der linken Ferse eine offene Blase…..

Aber Aynur, Gülten und Gamze wurden gelobt !
M E I N E   Erziehung!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Achtung Fallgrube! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Ein Silberstreif….

  1. kreidezeit schreibt:

    Ach, das ist doch sehr beruhigend, dass es auch mal gute Meldungen gibt. Ich muss erst nächstes Jahr wieder zur Betreuung ran, aber meine Klientel klaut nur manchmal und fliegt auch nicht so oft raus…
    Gute Besserung der Blase, der fiesen!

  2. Blümchen schreibt:

    Langsam begreife ich, warum die eine Junglehrerin in meinem letzten Schulpraktikum mich unbedingt mit zu den Praktikumsbesuchen ihrer Schüler nehmen wollte… Das scheint ja wirklich ein emotionales hoch und tief zu sein, bei dem man sich über jede Stütze freut 😉

    Durchhalten! Zwei Wochen sind gar nicht sooo lang. Und danach freuen sich sicher alle auf easy Schulalltag.

  3. Shannon schreibt:

    Wie schön, dass es auch mal Lob gibt. Und nach so viel Lob für die Schüler finde ich, dass Sie auch welches verdient haben. Ich finde es sehr toll, wie Sie das alles machen. Sowas wäre bei uns völlig unvorstellbar.
    Unsere Praktikanten suchen sich ihre Plätze, sie bleiben auch bei diesen (was mir bislang völlig natürlich vorkam, aber man lernt ja nie aus) und vor allem muss ich die nicht alle selbst besuchen. Bei uns müssen ALLE Lehrer der Klasse sich die Schüler aufteilen, d.h., wer schlau ist und früh genug an der Liste, der geht nur a) zu den angenehmsten Schülern oder b) zu den am dichtesten liegenden Plätzen.

  4. Sanna schreibt:

    Respekt. Das Lob gebührt nicht allein den Praktikantinnen/Praktikanten, sondern auch den Lehrern (…sowie -manchmal- den Eltern).
    Die Lehrer/innen der Praktikanten tun mir oft echt leid. In unserem Betrieb laufen ganzjährig Praktikanten von den unterschiedlichsten Schulen bzw. Bildungsträgern durch. Und mindestens einmal (wenn der Praktikant „geschmeidig“ im Betrieb mit durchläuft) gibt es ja den obligatorischen Kontrollbesuch (oder das ernste Gespräch) mit den betreuenden Lehrern/Bildungsträger-Sachbearbeitern. Auch mir fällt immer wieder auf, wie abgehetzt-müde-erschöpft nach einem solchen Mammut-Tag da ein Lehrer um die Ecke biegt. Und sich im schlimmsten Fall u.U. die x-te Version anhören muß, warum-wieso-weshalb betreffender Praktikant ab sofort nicht mehr im Betrieb gesehen werden möchte.
    Die berühmten Ausnahmen gibt es trotzdem. Auch wir haben derzeit für ein Vierteljahr ein echtes Schätzchen von einem Ausbildungsträger als Praktikant. Wegen eher mittelprächtiger Schulnoten fand er seinerzeit keinen Ausbildungsplatz und landete eben zwangsweise in einer „Ausbildungswerkstatt“.
    Wenn der junge Mann nicht in den nächsten Wochen gravierenden Bockmist verzapft, dann wird er den Rest seiner Ausbildung in unserem „richtigen“ Betrieb absolvieren können.

  5. Marc schreibt:

    Und ich blieb damals (vor 25 Jahren) brav die ganzen zwei Wochen die ganzen Tage in der Buchhandlung – mit Arbeitszeiten wie die Mitarbeiter. Aber man lernte fürs Leben: Das „Moderne Anitquariat“ heißt bei Buchhändlern Ramsch-Ecke.

    Ob sich das Bravsein aber gelohnt hat, kann man so und so sehen. In meinem erlernten Beruf arbeite ich jedenfalls nicht. Das was ich jetzt mache, hätte ich auch leichter erreichen können. Und reich bin ich natürlich auch noch nicht geworden.

  6. Nicole schreibt:

    Na, dass klingt doch wirklich nach Licht am Ende des Tunnels ;-D Das hört sich gut an, so kurz vorm Wochenende!
    Einen schönen Freitag noch, wünscht
    Nicole

  7. comicfreak schreibt:

    ..und was ist mit Turgut?
    War er morgens im Unterricht?

    Wir haben auch zwischen 5 und 10 Praktikanten im Jahr, da kommt einem vieles bekannt vor..

    😉

  8. Katarina schreibt:

    Ich warte schon mit Hingabe auf Tag fünf 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s