Leben trifft Schüler

Mannomann! Am ERSTEN Tag aus dem Praktikum fliegen, ich fass es nicht!
Da labern wir vor dem Praktikum wochenlang darüber, was man als Praktikant tun und lassen darf, kann, soll, muss und dann so was……wegen eines Pfandbons, stöhn…..das glaubt mir doch keiner hier!

Mehrmals…, ach was sag ich! Unaufhörlich, ja geradezu mantramäßig habe ich gepredigt:
“ …und bitte, bitte, lasst bloß nichts aus euern Betrieben mitgehen, nichts, wirklich gar nichts! Man nennt das klauen oder stehlen! Es sind schon Leute wegen einer Winz-Frikadelle oder einem halben Brötchen gefeuert worden, ja sogar wegen eines Pfandbons. Erst letztes Jahr flog eine Schülerin wegen einer geklauten Zigarette blablabla…“
So sprach ich. Und niemand hörte zu.

Denn was bekam ich gestern? Am Abend des ersten Praktikumtags?
Eine Nachricht über facebook von Fuat (der in einer großen Lebensmittelfiliale arbeitete) :

„Hallo Frl.Krise, es ist was pasiert was nich so erfreuliches also es war so ich hatte Feierabend ich wollte mir ein cola kaufen aber hatte zu wenig geld 30 cent oder so und als ich zu kasse ging in der nähe vom Lager sah ich ein Leergutschein sozusagen Pfandschein und ich nahm ihn und ging zu Kasse als der Kasierer ihn einlösen wollte ging es nicht und er ging zum Büro und aufeinmal rufte eine frau mich zum Büro später kam auch der Leiter denn ich gar nicht magg und er sagte zu mir das ich ihn geklaut habe vom Lager und ich sagte das stimmt nicht ich habe ihn auf dem boden gefunden und er meinte sagg deinen Lehrern du brauchst Morgen nicht zu kommen und ich sagte nochmal zu ihm ich war es aber nicht werendessen sagte er du kannst jetz gehen !“

Beim Lesen kriegte ich Atembeschwerden wegen der fehlenden Punkte. Bei wem hat der eigentlich Deutschunterricht???? Ansonsten schwankte ich zwischen einem Wein –und einem Lachkrampf….

Später rief ich bei Fuat zu Hause an. Seine Mutter war dran. Die Arme tat mir direkt ein bisschen leid. Natürlich verteidigte sie ihr armes unschuldiges Kind, das so ungerecht behandelt wurde. Ihr Mann war inzwischen mit Fuat beim Filialleiter gewesen, der hatte sich aber als harter Hund erwiesen und  ließ sich nicht dazu überreden, Fuat noch eine Chance zu geben.
( Noch eine Chance….. ich wars nicht …noch eine Chance… ich wars nicht….Lieblingssätze meiner Schüler.)
Ganz im Gegenteil: Er drohte sogar mit einer Anzeige, sah dann aber davon ab….

Fuat stand heute früh klein und bescheiden in der Schule auf der Matte und ich durfte ihn mit in meinen Unterricht nehmen. Wirklich  einsichtig kam er mir aber nicht vor…
Karl ist dann heute noch mal zu dem Lebensmittelgeschäft gegangen. Der Pfandbon war übrigens ein Fehlbon, die werden nur im Lager aufbewahrt …von wegen…lag auf dem Boden… Na ja, Fuat hat jetzt bis morgen Zeit sich einen neuen Platz zu suchen. Vallah, ich hoffe, es klappt.

Langsam kriegen wir ein Problem: Wenn das so weitergeht, haben wir im Nullkommanichts eine Gruppe Praktikanten und eine Gruppe Nicht-Praktikanten, die wir auch noch in der Schule befummeln müssen, ja, toll…!

Zwei sind schon da….morgen kommt die Dritte…..arrrrrrrrrgggggggggghhhhhhhhh!

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19 Antworten zu Leben trifft Schüler

  1. Blümchen schreibt:

    Naja, so hat Fuat zumindest genug Zeit, um den gezielten Einsatz von Punkten im sprachlichen Ausdruck zu üben 😉

    Was hat denn die dritte verbrochen?

    Könnt ihr die nicht bei schulinternen Berufen unterbringe? Also beim netten Mann in der Cafeteria, beim Hausmeister, dem Reinigungsteam….?

  2. fraufreitag schreibt:

    War geklaut, der sozusagen Pfandbon – hab ich doch gesagt!!!! ich liebe die Story…wenn das Leben kommt und zuschlägt. Er soll wieder raus ins böse leben. nicht in kuscheliger schule sitzen und lehrer stressen und king sein. er soll den kalten atem des richtigen eschtem leben zu spüren bekommen. Schüler von Realitöät zermalmt!

    übrigens, mit der rechtschreibung könnte er gut meine blogeinträge schreiben…

  3. Shannon schreibt:

    Unsere Schüler, die es nicht geschafft haben sich einen Praktikumsplatz zu suchen, haben einen dreißigseitigen Fragenkatalog zur Recherche bekommen und müssen diesen in der ganzen Umgebung beantworten lassen. Dazu kommt noch ein mindestens fünfzehnseitiger Praktikumsbericht… Die haben dann zu tun und sind nicht weniger beschäftigt als die Praktikanten.
    Wäre das nicht eine Alternative? Oder bin ich wieder zu sehr bei meinen Schülern?

    • frlkrise schreibt:

      Recherche?Ist das was zum Essen? Ach Shannon… wenn wir die nicht richtig fett beschäftigen, schaffen wir uns nur neue Probleme….

      • Shannon schreibt:

        Dann schicken Sie Ihre Schüler doch rüber zu Frau Freitag vor den Fernseher. Da sind die beschäftigt und stören Sie nicht mehr. ^^

  4. Pingback: Film geht auch nach den Ferien! « Na, wie war's in der Schule?

  5. frlkrise schreibt:

    Geht mal zu Frau Freitag, die machts richtig, ich will auch morgens schöne Filme gucken, meinetwegen auch in Englisch……..!!!

  6. Kat schreibt:

    Praktikum beim Reinigungsdienst der Autobahnraststätten.
    Hehehehee. XD

  7. Bianka schreibt:

    Hach, liebes Frl. Krise, auch wenn es für ihre Schüler suboptimal ist: ICH persönlich bin froh, den einen oder die andere fern des Praktikumsplatzes in Ihrer Obhut wiederzufinden – was sollten Sie denn sonst schönes in Ihrem Blog schreiben, um meinen Tag zu vervollkommnen????

  8. Bianka schreibt:

    Ach, noch ein Nachtrag: Sie haben nicht zufällig eine Manu in Ihrer Klasse? Hab da auf einem anderen Blog gerade iene Bewerbung entdeckt, die mich sehr an Ihre Schäfchen erinnert hat…

    http://www.shopblogger.de/blog/archives/10985-Kuriose-Bewerbung,-aber-nicht-bei-mir!.html

  9. BobR schreibt:

    Vielleicht ist das das richtige Verhalten: harter Hund

  10. Silberaugen schreibt:

    Hallo,

    Ich habe mein Schulpraktikum damals (*g*) in einem kleinen Zoo in der Nähe gemacht – dort mussten auch straffällig gewordene Jugendliche ihre Sozialstunden abarbeiten und ich habe recht schnell festgestellt warum: Der Zoodirektor war ein sehr lieber, aber strenger älterer Herr vom alten Schlag, der die Jungs (den Jungen zu dem Zeitpunkt) gnadenlos Ställe ausmisten liess und mit seinem Kollegen auf Tour schickte.

    Ich weiss ja nicht ob sie eher im Großstadtdschungel wohnhaft sind, oder ob sie Zugang zum Land haben, aber vielleicht wären eher ländliche Sachen (oder das Großstadtäquivalent?) eine Alternative?

    (Bin zwar Berlinerin, kenne mich aber nicht sooo toll hier aus was das angeht. Bin ja in der Prärie des Vennvorlands/Nordeifel aufgewachsen 😉 )

    Lg,

    Silberaugen

  11. chefarbeiter schreibt:

    Frau Freitag ist Schuld, dass ich auf dem Blog hier gelandet bin und fast alle Posts nachgelesen hab…
    Erinnert mich voll krass an meine Zeit auf Realschule in Berlin-Neukölln…

  12. sweetkoffie schreibt:

    Ich bin dem Fuat richtig dankbar, denn der beschert mir einen vergnüglichen Lesespaß 😉

    Danke Fuat!
    Aber nun haste genuch Spökes getrieben, nu sieh zu datte aussem Quark kommst und wat vom echten Leben mitkrichs, sonns belechse besser schon den Kurs „wie teile ich mein Hartz4 ein“ anne VHS.

  13. kreidezeit schreibt:

    Also bei uns hat eine Schülerin die halbe Boutique leergeklaut, indem sie immer abends die Sachen unter ihre Klamotten gezogen hat. Nachdem die Angestellten dann die Videobänder überprüft hatten, war sie auch recht schnell praktikumslos. Wir haben sie dann aber bei einem Busunternehmen reingekriegt – Busse konnte sie nicht klauen 🙂

  14. claudia schreibt:

    Bringt sie zu uns in den Kindergarten!
    Wir nehmen ALLES!!!!
    Was haben wir schon für Pappnasen verkraften müssen!
    Ich steh morgen früh am Tor- mit offenen Armen…..huuuuäääääähhhhh

  15. Frau Lolle schreibt:

    Au weia. Das scheint ja ein Spaß zu sein.
    Huhu, bin neu hier. An was für einer Schule unterrichtest Du denn?
    *neugier*

  16. renosch schreibt:

    Traurig aber wahr: die normalen Arbeitnehmer sind auch kein Vorbild!

    Wie soll Fuat da die Regeln im Leben lernen?

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