3 X Kopftuch

Mesut Özil dürfte, wenn er wollte, bestimmt mit Kopftuch spielen – wäre allen Fußballfäns egal. Hauptsache, er schießt Tore für Schland, für UNS !
( Bei der Burka würde Yogi vermutlich aus modischen Erwägungen Einspruch erheben…..)

Aber meine kleine Eda aus der siebten Klasse, die auch (leider) schon ein Kopftuch trägt, wird von einer ziemlich prolligen Passantin angeranzt:
„Ey du da! Schrei mal nich so rum hier! Mit Kopftuch und dann hier rumschreien.“ Und dann sagt die Frau noch zu ihrem Mann (er mit Bierflasche in der Hand!) : „Kopftuch! Aber kein Benehmen! So was brauchen wir hier gerade noch…!“
„Hier“ ist Deutschland, vermute ich mal…die Bushaltestelle, an der wir stehen, wird wohl nicht gemeint sein…
Eda hat das Kopftuch noch nicht lange, erst seit dem Ramadan. Sie hat es freiwillig genommen, beteuert sie, alle Frauen in ihrer Familie tragen Kopftuch. Sie gibt unbefangen zu, es sei etwas unbequem und sehr warm (Ich staune, das habe noch nie gehört! Siehe: „Mir ist nicht warm“) aber sie freut sich schon auf den Winter, sie friert so leicht, dann ist das Kopftuch bestimmt sehr gemütlich! Zu Hause zieht sie es aus, nur in der Schule geht das „natürlich“ nicht, wegen der Jungen und Männer. Wir sind alleine in der Klasse und sie zeigt mir stolz, wie das Tuch angelegt wird. Es ist ein ziemliches Gewurschtel, bis man zu den hochgesteckten Haaren vorstößt – wegen der Unterkopftücher und der kleinen Kappe, die alles im Verein mit Klammern und Nadeln zusammenhält. Ganz schön kompliziert! Ich passe gut auf, wie das geht….man weiß ja nie……!
Eda ist stolz darauf, dass sie jetzt zu den Großen gehört.

Eda ist echt süß. Sie ist immer bester Stimmung und offen für alles, spricht gut deutsch, ist eine passable Schülerin und das Kopftuch scheint sich für sie so anzufühlen, wie sich damals die erste dünne Strumpfhose für mich angefühlt hat. ( Mental meine ich!!! Nein, ich habe mir die Strumpfhose natürlich NICHT über den Kopf gezogen……!)
Frl. Alice Krise denkt jetzt: „Hm, Eda, weißt du, das Kopftuch ist in meinen Augen leider ein Zeichen für die Unterdrückung von Mädchen und Frauen …. Blabla… ….blabla….und du wirst es mit Kopftuch später auch sehr schwer haben, einen Ausbildungsplatz zu finden!.“
Jawohl,  ich finde es grässlich, dass Eda dieser Geschlechter-Apartheit unterworfen ist! Ich schweige aber lieber, denn wie sich im Einzelfall „am Kind“ zu verhalten ist die große Frage….

Yasmin aus meiner letztem Klasse besucht mich in der Schule. Sie war auch eine total nette Schülerin, faul und vorlaut, aber patent und mein Augenstern. Sie hat neulich geheiratet, hatte schon eine Fehlgeburt, nimmt neuerdings die Pille ( „ Bloß kein Kind jetzt!“ sagt sie…) und macht eine Ausbildung – im zweiten Anlauf , die erste Stelle hat sie geschmissen.
Sie klopft an die Lehrerzimmertür, ich öffne und kippe fast aus den Latschen: Yasemin trägt Kopftuch!!!!!! Das kann ja wohl nicht wahr sein!!!!
Ich stoße einen empörten Schrei aus. Wir fallen uns in die Arme.
„Ach, das Kopftuch,“ sagt sie. „Ist doch egal.“ Und sie fällt mir noch mal um den Hals und schnattert genauso los wie früher. ….
Hm, für sie scheint das Kopftuch ein normales Requisit zu sein, was Frau eben so trägt. Meine Aufgeregtheit wischt sie – zack- weg. Soll ich mich jetzt abregen?

Nee, neeeee, neeeeeeeeeeee!

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Ja, ich bin schon weg, aber nicht so richtig…..das kann sich noch bis Sonntag hinziehen, sorry auch!

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6 Antworten zu 3 X Kopftuch

  1. Noga schreibt:

    Ich bin auch sehr zwiespältig, was das Kopftuch angeht. Wenn erwachsene Frauen sich frei entscheiden das Kopftuch zu tragen, ist das eine Sache. Bei Mädchen im Grundschulalter, aber gelegentlich auch bei Teenagermädchen bin ich mir nicht so sicher, wie weit es mit der Entscheidungsfreiheit her ist. Und seit ich das Buch „Arabqueen“ von Güner Balci gelesen habe, bin ich noch zwiespältiger.
    Von daher kann ich den Vorschlag von der Schule als kopftuchfreiem Raum durchaus nachvollziehen. Durch dieses Buch ist mir auch deutlich geworden, wie umfassend die Kontrolle des männlichen über den weiblichen Teil der Community ist. Und wenn ich abends in Kreuzberg, Neukölln oder Wedding unterwegs bin, dann sehe ich nur migrantische Jungen im Teenageralter allein oder in Gruppen unterwegs.

  2. CeKaDo schreibt:

    Ich habe in meiner „Klasse“ ebenfalls eine Kopftuchträgerin mit fantastischen Deutschkenntnissen und meine liebste Kollegin beim vorigen Arbeitgeber trug ebenfalls ein Kopftuch.

    Noch ist es für mich ungewohnt, weil ich in Zeiten ohne Kopftücher groß wurde. Doch zeitgleich werden die Krawatten bei Männern in Deutschland weniger. Immer mehr junge Männer glauben nicht mehr an die äußere Seriösität, die durch den „Strick um den Hals“ signalisiert werden soll. Auch eine Glaubenssache, finde ich.

    Diese Generation, die nun um die 20 Jahre alt ist, hat es ohnehin schwer, weil sie nirgendwo hin gehört. Sie wird sich ihre eigene Kultur aufbauen und dazu gehört, dass es egal ist, ob jemand Kopftuch oder Krawatte trägt. Ich hoffe, ich erlebe es noch, dass der deutsche Proll endlich die Klappe hält und die Bierflasche mitsamt dem Feinripp-Unterhemd im Kleiderschrank verschwinden lässt.

    Ich wünsche mir, dass die derzeitigen Anpassungsprobleme an ein mulitkulturelles Deutschland bald Vergangenheit sind. Dann würden endlich auch die Widersprüche derer aufhören, die „Deutschland den Deutschen“ schreien und die Tiefkühlpizza vor ihrem japanischen Fernseher essen, während sie Programme aus Luxemburg schauen.

    Schönen Urlaub wünsche ich, ich gehe nämlich auf für eine Woche in die Ferien 🙂

  3. Thorsten schreibt:

    Hallo!

    Ich bin heute erst auf diesen wunderbaren Blog gestossen!! Der Tip kam von Markus aus einem anderen Blog (tour-blog.de)

    Habe gerade mehrere Seiten verschlungen und möchte mich herzlichst für die köstliche Unterhaltung und Einblicke in die hochkomplexe Struktur unserer heutigen Schülerschaft bedanken!!! 🙂 Macht unheimlich viel Spaß das zu lesen….

    Ab jetzt gibt es einen regelmäßigen Leser mehr!

    Schönes Wochenende,

    Thorsten

    • frlkrise schreibt:

      Danke! Da musst nun leider ein paar Tage warten, bis ich wieder zurück bin. Aber dann gibts Neues aus der (wahrscheinlich) gemeinen Berufswelt, auch Praktikum genannt…….

  4. shortend schreibt:

    Ich persöhnlich finde ein Kopftuch nicht schlimm, solange es nicht aufgezwungen wird. Ist doch eigentlich egal, wie ein Mensch aussieht, solange er oder sie mir nichts tut. Und ich kenne einige Frauen, die es ihrer Aussage nach freiwilig tragen.

  5. Renate schreibt:

    Ich würde mir wünschen- dass Lehrer Einfluss nehmen- um eine Bewußtseinsänderung bei jungen Muslimas zu Kopftuch /Tschador- auch die sehe ich immer öfter…zu bewirken. Ob es die Angst vor Repressalien der Eltern ist- oder eine gewisse Gleichgültigkeit, dass das Thema aussen vor bleibt ??
    http://www.youtube.com/watch?v=q6xXZ2cKk7k (ein Beispiel)
    Man könnte ja mal diskutieren….Mir ist jedenfalls bekannt-dass einige Mädchen glauben-bei Nichttragen in der Hölle zu landen-es eine Sünde sei-es abzulegen usw. usw.Das Stadtbild ist bereits jetzt geprägt von sichtbaren Muslimas- eine Entwicklung- die ich ablehne und die mir Sorgen bereitet.
    file:///Users/renate/Documents/Islam/kopftuch_als_waffe_2009_5.html

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