Ömür blickt durch

Ömür, ach, ohne meinen Ömür würde ich meine Klasse auf den Mond schießen. Aber Ömür reißt alles raus. Und Emre natürlich, die beiden sind echt süß! Sie machen alles zusammen, ja, sie wohnen sogar in einem Haus.

Emre hat gelesen, dass ein Mann auf ein U-Bahngleis gestürzt ist und sich am einer Stromleitung tödlich verletzt hat. Solche Unfälle entzünden die Fantasie meiner Schüler aufs Schönste und alle schreien begeistert durcheinander. Einige haben  eine noch gruseligere Variante auf Lager, andere behaupten die U-Bahn führe nicht mit Strom. Wie jetzt? Vielleicht mit Benzin oder Koks???
Ich versuche mich zu erinnern, ob der Strom unten im Gleisbett (nennt man das so?)  herumliegt oder mehr an der Wand, aber dummerweise weiß ich es auch nicht genau.

Ömür klärt uns auf: „Da ist nur ganz bisschen Strom in der Schiene“, sagt er wichtig.
„Woher weißt du das?“ frage ich beeindruckt und erwarte schon die Antwort: „Von Galileo“.
Aber nein, Ömür hat einen Selbstversuch gemacht:
„ Ich war U-Bahn,“  sagt er,  „und bevor U-Bahn kam, hab ich auf die Gleise gespuckt. Aber Spucke hat gar nicht gebruzzelt!“

Ömürs berufliche Zukunft ist vorgezeichnet. Er will Polizist werden! Aber er ist klein und dick. Wenn er rennt, hat er Blutgeschmack im Mund, sagt er.
„Du bist doch ziemlich unsportlich,“ sage ich, „das wird ja schwierig, wenn du  hinter einem Verbrecher herlaufen musst?!“
„ Das macht dann Emre,“ sagt Ömür und grinst , „der wird ja auch Polizist. Wir fahren zusammen Polizeiauto. Emre rennt und ich schreibe auf.“

Solche Pläne sind doch hundertmal besser, als das, was Erkan wieder von sich gibt: „Ich mache mich selbstverständlich und werde Routenplaner.“
Wir alle:  „??????“
Durch längeres Befragen kam dann raus, dass er selbstständiger Architekt werden will…na ja…

Ömür ist leider sehr vergesslich. Wenn er Polizist wäre, würde er bestimmt immer vergessen, wen er gerade verhaften wollte und lieber gemütlich einen Döner essen gehen. Neulich, als er mal wieder nur die Hälfte seiner Sachen dabei hatte, sagte ich betont milde zu ihm:
„ Sag mal, hast du Alzheimer?“
„Nee! “ sagte Ömür erstaunt.  „Ich bin bei  O two.“.

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10 Antworten zu Ömür blickt durch

  1. tante sushi schreibt:

    routenplaner ist doch ein super beruf, braucht man schliesslich immer. einer meiner teilnehmer wollte letztes jahr laut ausgefülltem formular „bagafara, suajca oder mexanica “ werden. auf nachfrage stellte sich dann raus, dass er nicht die mexikanische staatsangehörigkeit wünscht, sondern MECHANIKER, BAGGERFAHRER oder SCHWEISSER werden wollte. seufz.

    vielleicht ist das bei ömür auch kurzsichtigen-demenz und der junge braucht einfach nur eine brille. 😉

  2. iris schreibt:

    Alzheimer als Anbieter zu verstehen, bedarf schon einer besonderen Denkweise oder Unkenntnis. Diese Jugendlichen sind komplett handygesteuert!

  3. michael schreibt:

    „ Sag mal, hast du Alzheimer?“
    „Nee! “ sagte Ömür erstaunt. „Ich bin bei O two.“.

    Ist das nicht die Variation eines alten Türkenwitzes:

    Sitzen zwei Türken im Pornokino. Fragt der eine: „Ey, hast du schon Erektion“. Der andere: „Bist Du schwul oder was? Ich hab Nokia!“

  4. pgr1973 schreibt:

    Stromschiene läuft an der Seite:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Stromschiene

    Der Strom „fließt“ dann von Stromschiene über den Stromabnehmer (der ist an der Bahn fest) durch die Bahn und deren Motoren in die Gleise.

    Man könnte (bei entsprechend gut isolierendem Schuhwerk) also auch die Stromschiene anfassen (besser nicht ausprobieren, bei ausreichender Feuchtigkeit im Gleisbett könnte auch das schon das letal sein).

    Nur sollte man auf gar keinen Fall Stromschiene und Gleis gleichzeitig berühren, denn dann gibt’s heftiges Gebrutzel. Übrigens sehr anschaulich dargestellt in dem Film „Pelham 123“ (und zwar dem Orignal mit Walter Matthau von 1974).

    Da redet der von W. Matthau gestellte Boss der Bösewichte noch abschließend (mit einem Fuß an der Stromschiene) bevor er dann, um der Festnahme zu entgehen, den anderen Fuß an’s Gleis preßt, um dann nach einigen Sekunden kräftig dampfend vornüberzufallen *gg*.

    Gruß Paddy

  5. V. Balfer schreibt:

    Wie kommt man denn von Architekt auf Routenplaner?!

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