I’m sorry…

Ich bin die gemeinste Lehrerin Deutschlands….Gestern noch wollte ich alle meine Schüler auf einen sehr hohen Berg (am besten auf dem MOND) verfrachten und heute waren sie so reizend, nett und fleißig, dass ich pfundweise Asche auf mein Haupt verdient hätte…..
Schon als ich  morgens (verbotenerweise ) mit dem Rad über den Schulhof fuhr, flogen mir aus allen Richtungen fröhliche Guten-Morgen-Grüße entgegen, Siebtklässler winkten mir frenetisch zu und die Großen sprangen respektvoll zur Seite.
Verwirrt betrat ich das Schulhaus und rannte gleich Emre um, der demutsvoll „ Oh, ich bitte um Entschuldigung, Frl. Krise!“ rief. (Und nicht: „Abo, Was das?! Du Spast!“ oder eine ähnliche Nettigkeit.)
Im 7. Schuljahr arbeiteten die Schüler wie die Feuerwehr, bloß leiser. Gerührt sah ich auf die kleinen Menschlein nieder, die übertrieben eifrig ein echt langweiliges Arbeitsblatt ausfüllten und dachte sogar bei Osman, der mich normalerweise in zehn  Sekunden von Null auf Hundert bringt : „Ach, du arme Socke, du hast es auch nicht leicht….“

In der achten Klasse gibt es ohnehin selten Probleme. Marco haute  nur ein bisschen auf Dominik herum und ich erhob kurz meine Stimme, auch, um mich zu versichern, dass sie mir noch zur Verfügung steht. Schon war tiefer Frieden.

Dann noch eine Stunde in der Zehnten, die aber ausfiel (Klassenfahrt) – und ich fühlte mich immer noch im Vollbesitz meiner körperlichen und geistigen Kräfte. Ein sehr komisches Gefühl!

Besorgt schlich ich nun ins andere Schulhaus, denn von 13.30-15.00 kommt der Knaller der Woche: Darstellendes Spiel im neunten Schuljahr. (Regulärer Unterricht, keine AG!)
Die Schüler sind platt, schielen aufs Wochenende und haben alles, bloß keinen Bock auf noch zwei Stunden Unterricht. Mir gehts auch nicht viel besser….. So sind diese Stunden immer sehr, sehr anstrengend für uns alle und ich pflege freitags  gegen 15.15 sehr leise, langsam und bescheiden die Schule zu verlassen, oft gestützt auf Frau Freitag, die mich frisch und munter abholt zu einer kleinen after work party.

Heute verteilte ich nach einem kurzen Warm-up mit Todesverachtung die Rollen, gab ein paar unbedeutende Anweisungen und verschloss schon mal mentalistisch meine Ohren, um mich gegen das übliche Protestgeschrei abzugrenzen.
Aber Neyla nahm die Organisation an sich, verbannte mich in die Ecke der Aula und dann saß ich zwei Stunden rum. Meine Schüler dachten sich Windeseile einen schlüssigen Plot aus: Mädchen wird auf dem Schuhof von einem Schufremden belästigt. Ihr Bruder schlägt den Fremdling nieder. Klassenkonferenz und Bestrafung des Bruders. Schulfremder kommt wieder. Bruder traut sich nicht mehr an ihn ran. Fremder belästigt Schwester erneut. Vater gibt Bruder den Auftrag, seine Schwester zu verteidigen, wenn es sein muss mit einem Messer. Bruder sticht Fremden ab. Polizeiverhör…… Weiter kamen sie nicht. Es war unfassbar. Ich wurde Zeuge eines gut einstündigen Stand-up Spielrausches…..
Die kleine Pause wurde überspielt („Vallah!Jetzt nicht…!“) und sogar der Putzmann, der immer schlechtgelaunt reinplatzt um die Mülleimer zu leeren, blieb kurz stehen, guckte zu, grinste mich an und verzichtete auf seinen üblichen Anranzer.

Um 15.05 Uhr brach ich das Spiel ab, versprach, daraus ein Theaterstück zu zaubern (help) und wurde liebreizend entlassen.

Frau Freitag wartete schon auf mich. Sie sah schlecht aus. „Es war voll anstrengend heute,“ krächzte sie gebrochen und ich schob meinen Arm hilfreich unter den ihren.

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11 Antworten zu I’m sorry…

  1. Nadine schreibt:

    Man kann es kaum glauben…Frl. Krise, ist das ein Tatsachenbericht oder doch eher ein Drehbuch für Ihre Theater-Kinder, dass Sie vorher an ihrer treuen Leserschaft testen möchten bevor Sie es den lieben Kinderlein vorlegen?
    LG N.

  2. iris schreibt:

    Wollen sie jetzt etwa nicht mehr Ministerin für Pubertäre Angelegenheiten werden? Das fände ich schade!

  3. fraufreitag schreibt:

    nun lasst ihr doch mal das wenige glück. ist doch wie ich schon schrieb am montag wieder vorbei. übrigens habe ich erst meinen eintrag geschrieben und dann das hier geschrieben. ehrlich!
    glückwunsch frl. krise. ich wünsche ihnen noch gaaaanz viele solcher glückstage. aber nicht, dass Ihr glück automatisch mit meinem unglück zusammenhängt. dann geht das leider nicht, aber das ist wahrscheinlich nur zufall gewesen und sooo schlimm war es bei mir ja auch nicht, nur etwas anstrengend und daran war allein ich schuld.

  4. detrexer schreibt:

    xD Frl. Krise arbeiten ihre Schüler in Wahrheit für RTL als Autoren bei den Schulermittlern?^^

  5. Herr Anton schreibt:

    Liebes Frl. Krise,
    mögen die neue Woche so beginnen, wie die alte endete. Ach was, es soll die ganze Woche anhalten, besser noch: Mögen Sie in eine Endlosschleife solcher Pädagogen-Wunsch-Glücks-Tage rutschen!
    Ich fürchte allerdings, es bleibt ein Einzelvorkommen dieser sehr scheuen und seltenen Spezies der besseren Tage im Perlen-Säue-Interface.
    Grüße
    Herr Anton

  6. Shannon schreibt:

    Oh, Frl. Krise, jetzt müssen Sie mir trotz aller Anonymität doch sagen, wo Sie studiert haben. Denn darstellendes Spiel ist ja an sehr wenigen Universitäten zu belegen und ich habe da eine Schülerin an der Hand, die sehr verzweifelt sucht… Es sind drei Unis, die DS lehren, kann das sein?

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