Marlene greift ein

Schriftliche Nachprüfung Deutsch, der Schüler schreibt….gähn…schreibe ich schnell auch was:
Eine kleine Geschichte, die nichts mit Schule zu tun hat, sich aber wirklich zugetragen hat, ich schwörs!

Aschewolken über Europa, der Flugverkehr ist lahm gelegt…..
Yvonne, eine junge Frau ( Freundin von meiner Freundin Marlene Wander), reist aus den Staaten in Richtung Europa. Sie will zurückkehren nach good old Germany, zusammen mit ihrem kleinen Sohn und vier gigantischen Koffern, einem Buggy und diversen kleinen Gepäckstücken.

Aber die Aschewolke, die Aschewolke!
Yvonne kommt nur bis Oslo. Überschlagen wir die genaue Chronologie des Wartens und Hoffens, der Hotelübernachtungen und der unzähligen verzweifelten Telefonate in die Heimat.

Marlene in Deutschland verfolgt alles und ist empört. Weshalb kümmert sich niemand in Oslo um die Gestrandete, alleine mit dem Mordsgepäck und dem quengeligen Dreijährigen?
Als Frau der Tat entschließt sie sich, die Deutsche Botschaft in Oslo anzurufen:

„Baschegotdär Lösellain““ Marlene versteht nur Bahnhof, die Frau, die sich da gemeldet hat, scheint älter zu sein, sie nuschelt oder hält den Hörer nicht richtig.
Marlene spricht laut und deutlich ins Telefon:„ Hallo Deutsche Botschaft? Mein Name ist Wander. Ich brauche Hilfe, das heißt, nicht direkt ich, sondern eine junge Frau.“
Ohne Luftholen schildert sie zügig den Sachverhalt – Auslandsgespräche sind teuer!
Mit einem energischen „ Also, Sie sehen ja selbst, meine Freundin braucht dringend jemanden, der ihr da weiter hilft und ich dachte natürlich an die Deutsche Botschaft!“ beendet sie den Bericht.
„Ja, ja“, sagt die Frau am anderen Ende der Leitung nachdenklich, „das verstehe ich, schrecklich aber auch, die junge Frau braucht Hilfe…. Aber was soll ich machen, ich bin heut ganz allein, mein Mann ist auch nicht da.“
„Ihr Mann ist nicht da? Wann kommt er denn wieder?“
„Ja, spät, heute Abend spät wahrscheinlich, der ist zu einem Freund gefahren in den Garten!“
„Was? Aber das geht doch nicht, dass da keiner ist bei Ihnen in der….“
„Na doch,“ das sieht die Frau des Botschafters etwas anders, „wissen Sie, das war schon lange geplant, dass mein Mann heute nicht daheim ist, dass der dahin geht zu dem Freund.“
„Aber das kann doch nicht sein, dass ihr Mann weg ist und dass da gar kein Angestellter oder so bei Ihnen ist, da kann doch immer mal was passieren. Dass Sie da ganz allein sind, meine ich!“
„ Och, Angestellte? Das schaff ich schon noch allein,“ sagt die Frau Botschafter energisch.
„Ja, eben offensichtlich nicht! Und was soll nun aus der jungen Frau mit dem Kind werden, wenn Sie mir nicht helfen können? Und ihr Mann nicht im Dienst ist?“ Marlene regt sich auf.
„ Ja, das ist schlimm mit der jungen Frau. Aber ich weiß auch nicht, was ich….. und mein Mann, wie gesagt, der kommt erst spät heut!“
Jetzt reicht es Marlene.
„ Ich werde mich beschweren,“ ruft sie, „das ist unglaublich. Sagen Sie mir doch bitte noch mal ihren Namen, damit ich weiß, mit wem ich gesprochen habe…!!!“
Was sich so hochbezahlte Kräfte im diplomatischen Dienst alles leisten können! Sie sieht die Botschafterin direkt vor sich in einem großen Saal mit spiegelndem Parkett, gepflegt an einem barocken Schreibtisch sitzend, hinter ihr ein bodentiefes Fenster mit einem luftigen zur Seite geschobenen Vorgang…..

„Ei, hier ist doch die Frau Paschkötter aus Rüsselsheim…..“

Marlene entgleitet der Hörer……

PS. Yvonne hat es auch ohne den Botschafter nach Deutschland geschafft und Marlene kann sich bis heute nicht erklären, auf welch verschlungenen Wegen die von ihr gewählte Telefonnummer nach Rüsselsheim fand……

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7 Antworten zu Marlene greift ein

  1. iris schreibt:

    Oh, was für herrliche Geschichte. Frau Paschkötter for president!

  2. frausieben schreibt:

    Ich finde allein den Namen Paschkötter wirklich….mindestens supertoll!

  3. Christian schreibt:

    Gestrandet in Oslo? Dann ab auf die Fähre nach Kiel, dort in den Zug und ab nach Hause.

    Frau Paschkötter hat in der Tat großartig reagiert und sich als deutsche Konsulin in Rüsselsheim mehr als qualifiziert.

  4. Herr Paschkötter schreibt:

    Der amtierende deutsche Botschafter in Oslo heißt übringens Herr Rünger und war supi erfreut, als er Lena einen Blumenstrauß überreichen durfte…

  5. Marlene schreibt:

    guten morgen frl krise,
    da mein sohn zu besuch war und an meinem pc rumgefummelt hat, kann ich mich erst heute bei ihnen melden.
    die stadt wacht so langsam auf und ich nutze nun die stille zeit um meine gedanken in eine schriftliche form zu bringen.
    ja, ja ,sie wissen, ich habe es zur zeit nicht leicht . habe ich doch einen ,mit einem sehr agressiven virus befallenen gatten zu pflegen. dem nicht genug , kommen ständig nachbarn mit der bitte nach milch, einem ei, oder einer großen saltschüssel vorbei und nutzen diese zeit, um mir mit großer begeisterung ihren gesundheitszustand oder ihre gemütslage zu erklären.
    bin heute in etwas in zeitnot, muss mich auch erst an die situation gewöhnen meine galloppierenden gedanken in worte zu fassen.
    werde mich zu gegebener zeit wieder bei ihnen melden

    es grüßt sie und verbleibt mit den besten grüßen ihre marlene

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