fin……. (deux)

Das ganze Wochenende überlege ich schon hin und  her. Sollen wir nun das Theaterstück aufführen, ja oder nein? Niemand sagt mir, was ich tun soll……! Frau Freitag, meine beste Beraterin, ist seit Tagen nur noch in Sachen Heidepark unterwegs – auch keine Hilfe! Einerseits hab ich die Faxen dicke, wenn ich daran denke, wie bescheuert die sich alle benommen haben, (siehe „fin!“) andererseits steckt gräßlich viel Arbeit in dem Stück.
Und ich wünsche meinen Schülern so dringend einen Erfolg, Applaus, eine halbe Stunde Aufmerksamkeit, das Gefühl etwas geleistet zu haben. Ich möchte ihre strahlenden Augen sehen, wenn sie sich verbeugen…Ja, Kitsch, lass nach!
Ich brauch mich bloß an letztes Jahr zu erinnern.

Strahlende Kinderaugen, f….!

(Ich trau mich kaum, es zu erzählen).
Jedenfalls erschienen am Abend der großen Premiere einfach drei Darsteller nicht zur verabredeten Zeit (unsere einzigen beiden Jungen und ein Mädchen). Wir anderen regten uns natürlich mörderisch auf – meine Schauspielerinnen, alles sensible Gemüter, wurden geradezu hysterisch und ich schwankte  zwischen Wutanfällen und irrem Gelächter.
Mittendrin reichte mir Merve ihr Händy: „Hier, Frl. Krise, ich hab Tarik erreicht!“ Die Gute!
„Tarik, spinnt du komplett ? Wo bleibst du? Wir fangen in 10 Minuten an!!! Mach, dass du herkommt! Sonst knallt es!!!“ fauchte ich ihn pädagogisch wertlos an. (Vielleicht hätte ich ihm milde zureden müssen??)
„Frl Krise, ich hole gerade Nigel ab. Wir sind in einer Viertelstunde da!“ beteuerte Tarik. Im Hintergrund hörte ich Vogelzwitschern. Wo waren die, zum Teufel? Wenigstens waren sie schon mal zu zweit.
Jenny, das dumme Huhn, war nicht zu erreichen. Wahrscheinlich saß sie vor einem der 17 Flachbildschirme  ihrer Wohnung und guckte irgend eine schnulzige  Seifenoper oder machte H & M unsicher.
Also kletterte ich mit roten Kopf auf die Bühne und verklickerte dem geneigten Publikum, das aus wenigen Eltern, aber ziemlich vielen, lauten, ungeduldigen und irgendwie ein bisschen auf Krawall gebürsteten Schülern bestand , dass wir später anfangen würden. Man johlte und pfiff und begann in der Aula herumzutoben.

Super Anfang, schönen Dank auch, Tarik!

Meine Schauspieler drehten inzwischen hinter der Bühne echt am Rad. Sie gebärdeten sich wie die Verrückten : „ Vallah, ich hab meinen Text vergessen!“ „Das ist MEIN Hut!“ „Halt die Fresse, Hässlichkeit, das ist meiner!“ „Frl. Krise, mir ist  voll schleeecht!“ „Abo, mit wem mache ich die Fensterszene, wenn Tarik nich kommt?“ „Ich hau Nigel aufs Maul, ich schwörs!“ usw.usw. Ich hielt mir die Ohren zu, mir war auch schon ganz anders.

Schließlich hat man als schulbekannte Regisseurin einen Ruf zu verlieren. Es macht nämlich keinen Spaß, wenn einem die Kollegen am nächsten Tag mitleidig den Rücken tätscheln: „Ach, du Arme, da hast du dir solche Mühe gegeben und dann so eine Pleite. Das tut mir soooo leid für dich. Jaja, mit unseren Schülern geht das eben alles nicht.“
(Und denken tun sie: Geschieht ihr ganz recht, was macht sie auch für ’ne Welle mit ihrem Theaterstück!)

Was soll ich sagen. Weder Nigel, noch Tarrik und schon gar nicht Merve erschienen  an diesem Abend.

Ja, wir spielten ohne sie. Wir versuchten es jedenfalls…
Und es ging grandios daneben. Es ging so was von grandios daneben!!!`

Und bis Montag muss ich wissen, ob wir am 30. spielen .
Den Flyer hab ich  in Druck gegeben, vorsichtshalber……

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7 Antworten zu fin……. (deux)

  1. fraufreitag schreibt:

    Die willst strahlende Kinderaugen? Fährst du Heidepark!

    Nein, im Ernst…führ das ruhig auf. was kann denn passieren?
    1. Sie kommen ALLE und es wird gut. Du bekommst die strahlenden Kinderaugen, einen netten Abend und den neid und die Missgunst der Kollegen kannst du dir als Lob an die jacke heften und mit stolz das Schuljahr beenden, weil du allen gezeigt hast: frl krise hat’s drauf.
    2. Alles geht total daneben. Die Kinder schämen sich zu Tode. Die Kollegen tuschen ein wenig und heucheln dann mitleid und reden eine halbe Stunde später wieder von was anderem. Die Schüler bekommen die quittung für ihre schlechtenlchten Proben und ihre undeutschen Tugenden. Ein Lernerfolg (Lernziel: Von nichts kommt nichts) der sie ihr lebenlang begleiten wird: weisst du noch die Aufführung – ja übertrieben peinlich.
    3. Du führst das Stück nicht auf: Nichts passiert. (Irgendwie ooch langweilig, oder?

    Und wenn alles den Bach runter geht – du bist ja nicht der Trainer, der dann gefeuert wird. also: Aufführen. Flyer verteilen!

    und ich? Soll ich Heidepark fahren???

    • frlkrise schreibt:

      Gut… Ich führe auf…..Stöhn.

      1. Die willst strahlende Kinderaugen? Fährst du Heidepark!
      2. Du willst Geld für die Bücher – fährst du nicht Heidepark, jedenfalls mit allen.
      Fahr Heidepark! Ich will endlich wissen, wie es ist einen Ausflug dahin zu machen. Die ordentlichen Schüler nimmst du mit (haben Belohnung verdient) die anderen bleiben zu Hause (haben Strafe verdient).
      Alles klar?

  2. renosch schreibt:

    Hallo Frl. Krise!

    Variante C: Mach es wie meine Freundin mit der Schülerzeitung!

    Die Schülerzeitung (oder Schulzeitung?) wird nicht mehr gedruckt, sondern kommt einfach nur noch auf die Homepage zum Download … Also, filme das Stück – oder die besten Sequenzen – unterlege ein wenig Geklatsche (gibt es bestimmt irgendwo im Download) und stelle es auf die Homepage

    Dann hast Du auch brilliert!

    • frlkrise schreibt:

      Ach neeeeee, ich will doch den Horror life! Obwohl…dein Vorschlag hat auch was…!

      • Gast schreibt:

        Live nicht life 😉 Ihre Blogs sind Klasse, aber Englisch ist nicht so Ihr Fall, dass ist mir schon öfters aufgefallen. Liebe Grüße

      • frlkrise schreibt:

        Stimmt! Aber,…und es fällt mir nicht leicht, es zu sagen:
        Ihr „dass“ ist falsch, es handelt sich nämlich hier um keine Konjunktion, sondern um das Demonstrativpronomen „das“!
        Sorry!

  3. idefixwindhund schreibt:

    Jetzt weiß ich wieso meine Freundin ihren Hund Tarik getauft hat 😛 Der ist genauso „schwierig“. Und mittlerweile habe ich das „Vallah“ entschlüsselt. 😀

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