Macht kein Spaaaaß!

So, Wochenende!
Gott sei Dank ist es nicht mehr so heiß, sonst hätte ich noch weniger Lust, das zu tun, womit ich mich seit heute Morgen 10 Uhr abplage, nämlich Zeugnisköpfe schreiben!
Zeugnisköpfe schreiben ist ja wohl das voll krass Mieseste, was einem passieren kann!

Früher habe ich das gerne gemacht, so a la: Hildegard ist eine freundliche, hilfsbereite Schülerin. Sie beteiligt sich interessiert am Unterricht und macht mit großem Fleiß ihre Hausaufgaben……

„Hausaufgaben? Was das!?“, sagt Jenny. „Echt, Frl. Krise, sie glauben doch nicht wirklich, dass das irgend jemand macht?“
Recht hat sie, denn wenn letztes Jahr 6 von 24 Schülern meiner Klasse Hausaufgaben gemacht hatten, kriegte ich schon fast einenAnfall vor Freude. Also lasse ich das inzwischen mit den Hausaufgaben. Und so schmelzen die schönen Sätze dahin, die man früher noch verwenden konnte…..

„Jenny ist eine aufgeweckte Schülerin“, schreibe ich. Eigentlich müsste ich schreiben:
Liebe Jennymutter! Ich wäre Ihnen dankbar,  wenn Sie Ihre Tochter morgens nicht so früh aufwecken würden, dann hätten wir wenigstens in den ersten beiden Stunden noch etwas Ruhe…!

Oder mein kleines dickes Ömür:
„Ömür weiß sich auch bei schwierigen Aufgabenstellungen selbst zu helfen“, bedeutet eigentlich : Ömur stresst sich nicht lange unnütz, sondern guckt gleich bei Hüseyin ab..

Auch schön: „Nesrin versucht eigene Lösungsmöglichkeiten zu finden“.

Das heißt: Nesrin malt nicht das geforderte Bild frei nach Paul Klee, sondern zeichnet liebe- voll stundenlang ein superkitschiges Herz mit dem Namen ihres Traummannes drin: Mehrzad von DSDS. „Guckmal Frl.Krise, voll süß,wa? Das schick ich ihm“ „ Aber du solltest doch…!“ „Stress ma nich, Frl. Krise.“

Emre nun wieder: Er denkt nicht daran, irgend etwas abzuheften, viel zu mühsam. Seine Arbeitsblätter landen gerne zusammen geknäult auf dem Boden , werden dort hin und her gekickt und schließlich von mir höchstpersönlich in den Papierkorb befördert .
„Emre setzt sich mit den Lerninhalten kritisch auseinander“, das hört sich doch gut an. Aber wird seine Ane das auch richtig verstehen?

Ein letztes Beispiel: „Aynur steht zur eigenen Meinung und weicht Kontroversen nicht aus.“
Nesrin kann davon ein Lied singen. Sie hatte nur ein bisschen über Aynur gelästert (es war dabei, glaube ich, das Wort Schlampe gefallen und da hat …..)
Nein, ich will mich hier nicht in Details ergehen. Man könnte auf die Idee kommen, ich hätte die Klasse nicht im Griff.

Ach, an anderen Schulen gibt es so schöne Ankreuzbögen, da macht man 5- 7 Kreuze, (Beispiel: Übernimmt Verantwortung: trifft voll zu, bis: geht gar nicht)
und schon ist man fertig. Aber nein, wir sind ja pädagogisch so wertvoll, wir schreiben Texte, die keiner versteht…….
Frau Freitag hats gut, die fährt übers Wochenende weg, an die See, hoffe ich (da regnets), aber die darf ja auch Kreuzchen machen für ihre Klasse.

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10 Antworten zu Macht kein Spaaaaß!

  1. drachenmama schreibt:

    Das andere Schulen Ankreuzbögen nutzen, halte ich inzwischen für ein Gerücht. Bisher behaupten nur alle, dass sie von der Kollegin einer Freundin gehört hätten, dass es sowas gäbe. Wir schreiben weiter – ist ja auch viel individudeller so 😉

  2. fraufreitag schreibt:

    Armes frl. Krise, nun unterschätzen Sie das mal nicht mit den kreuzchen. Das ist auch nicht so leicht. Aber das lasse ich sowieso meinen Stellvertreter machen. Und die See, ach…ist auch immer wieder anstrengend diese Natur. ich bin zurück und ganz fertig. Da habe sie es doch direkt nett mit ihren Köpfen. Ich finde ihre Vorschläge ganz reizend. Grämen Sie sich nicht, auch diese schlimme zeit geht vorbei und dann kommen doch die grauenhaften ferien, da werden Sie sich noch vor lauter Langeweisle nach den köpfen zurücksehnen. Vielleicht schreibe ich dann auch mal welche. und für Sie: Kopf hoch!

  3. fraufreitag schreibt:

    guxt du hier, du alte Jammertante: http://botd.wordpress.com/growing-blogs/

  4. frau freizeit schreibt:

    Frl. Krise schafft das schon! man müsste diesen Beurteilungscode mal neu überarbeiten, zuwenig Spielraum nach unten…
    So klingt das im Rahmen der Beurteilungen für meine letzte Praktikantin:
    „Frau Praktikantin tritt offen und ohne Hemmnisse mit der Klientel in Kontakt“
    … hat nach 4 Woche ein Verhältnis mit einem unserer älteren Jugendlichen angefangen. Sind beide 19 – nix verbotenes, aber…und verheimlicht haben sie es auch ganz miserabel!
    Das einleitende Gespräch über angemessene Nähe und Distanz in der päd. Arbeit muss ich für die Zukunft noch mal überdenken.

    „Frau Praktikantin hat sich gut in die regelmäßigen Abläufe der Arbeit eingefunden und ist in der Lage selbständig kleine Angebote im Offenen Bereich anzuleiten.“
    … ist neben den Jugendliche nicht weiter negativ in aufgefallen, sucht und findet sich selbst keine Arbeit, spielt Tischtennis.

    liebe Grüße
    Frau Freizeit

  5. Herr Anton schreibt:

    Also Frl. Krise das verstehe ich nicht ganz. Angesichts der Beschreibung Ihrer „liebenswerten“ Kundschaft, ihrer Versuche, einer Herde voller Hohlköpfe etwas Verstand und Wissen einzutrichtern erscheint mir das Schreiben von Zeugnisköpfen doch die reine Erholung, ja fast Wellness pur. Aber vielleicht machen Sie sich die Arbeit auch nur unnötig schwer. Schreiben Sie entsprechend dem Credo Ihrer Bildungseinrichtung doch pädagogisch wertvolle Texte die jeder versteht, soll heißen, schreiben Sie einfach die Wahrheit. Ungeschminkt. Ohne Fremdwörter. Nichts als die Wahrheit. Mit der Wahrheit erfüllen Sie auch Ihre Vorbildfunktion. Wie sonst soll man von den Schülern (m+w) „wahrhaftiges“ Verhalten erwarten können. Und die Eltern dieser bildungsresistenten „Zukunft unserer Gesellschaft“ (oh Graus!) haben es dann wenigstens schriftlich. Oder verträgt Ihre Schulleitung die Wahrheit nicht, weil sie sich selber was in die Tasche lügt? Dann schreiben Sie doch wenigstens eine Übersetzung (so was gibt es doch z. B. für Arbeitszeugnisse, etwa „er war bei den Kolleginnen beliebt“ = er war hinter jedem Rock her), die Sie dann jedem Zeugnis beifügen. Oder machen Sie es wie Frau Freitag und lassen einfach andere die Arbeit machen. Aber statt Ihren Stellvertreter-Kollegen zu beglücken lassen Sie Ihre Schüler die Köpfe selber schreiben (sicher eine wahre Ode an die Rechtschreibung, deshalb unbedingt im Original dem Zeugnis beizufügen).
    Grüße
    Herr Anton

    • frlkrise schreibt:

      Herr Anton! Sie urteilen zu hart………. mein kleines dickes Ömür ist kein Hohlkopf! (Vielleicht ein Hohlbauch – demnächst!) Und überhaupt, ich glaube, es ist verboten, Zeugnisse zu schreiben, die jemand versteht!
      Und das mit Rechtschreibung (schluck), ich poste demnächst mal eine Probe!

      • Herr Anton schreibt:

        Nun ja, Frl. Krise, auf Einzelschicksale kann leider nicht immer Rücksicht genommen werden. Aber ich entschuldige ich mich bei kleines, dickes Ömür als dem weißen Schaf Ihrer Herde.
        Wir mir mein juristischer Vorgartenzwerg versichert hat, ist es nicht verboten verständliche Zeugnisse zu schreiben. Aber leider hat wohl keiner den Mumm gegen den Strom zu schwimmen – Sie auch nicht? Das Ergebnis ist aber doch nur, dass keiner mehr glaubt was in einem Zeugnis steht (außer vielleicht Ihrer Klientel – Ömür ausgenommen).
        Grüße
        Herr Anton

  6. Shannon schreibt:

    Frl. Krise,

    da muss ich mich jetzt outen. Bei uns benutzen wir bis zur Pberstufe diese lustigen Ankreuzzettel… und das Beste ist:
    Da sich die Schüler in einem halben Jahr nicht großartig verändern und auch der Ehrgeiz unter meinen Kiddies nur recht spärlich gesät ist, können die meisten Kollegen die Zettel des vorangegangenen Schuljahres mit einer oder zwei Änderungen guten Gewissens übernehmen. Pädagogik? Pah! Wir haben Ankreuzzettel.
    Herz, was willst du mehr?

    Es grüßt ganz lieb,
    Shannon

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