Two men

An meiner Tür hing heute früh ein Zettel, auf dem mir einer der Hausbesitzer mitteilte, dass morgen ein neues Geländer an meinem Balkon angebracht würde. Na ja, ich riss den Zettel ab, ging fröhlich pfeifend in die Schule und dann zum Zahnarzt und erst vorhin fiel mir die Hiobsbotschaft wieder ein.
Balkongeländer – hallo? MORGEN? Mitten im Dezember! Und sozusagen unangekündigt! Spinnen die jetzt komplett? Der Balkon steht voller unausgeräumter Blumenpötte!
Meinen Schlüssel solle ich dem freundlichen Mieter unter mir abgeben, falls ich nicht anwesend sein könne! Um 10.00 Uhr ginge es los.

Ja, toll! Besagte Mieter sind neu eingezogen, ich kenne die gar nicht…

Mit einem Coolpäck an der Wange gehe ich zu meinem “freundlichen“ Nachbarn, der stiert mich muffig an und sagt mürrisch, jawoll, er nähme den Schlüssel und würde ihn den Handwerkern aushändigen.
„Und wie komme ich dann wieder an meinen Schlüssel? Ich muss bis 16.00 Uhr arbeiten!“
Er zuckt mit den Schultern.
„Haben Sie denn nur einen Schlüssel?“ fragt er gelangweilt.
„Ja, im Moment schon.“
Na gut, das ist nicht sein Problem. Er schließt die Tür.
Mist! Hier im Haus arbeiten doch alle! Ich telefoniere rum. Kein Mensch hat Zeit! War mir auch schon vorher klar!
Eine meiner Töchter kann dann schließlich doch von zehn bis zwölf Uhr kommen. Sie hat auch einen Schlüssel. Üff! Alles klar!

Also wieder runter zu dem Nachbarn und ihm sagen, dass die Handwerkern mit meinem Balkon anfangen MÜSSEN!
„Hab’ den Termin morgen gechancelt!“ sagt der Unfreundliche unfreundlich. „Hab’ den Chef der Metallbaufirma angerufen. Hab’ ihm gesagt, Sie hätten keine Zeit! Die kommen jetzt am Freitag!“
Ich falle aus allen Wolken – dabei hatte ich doch gerade alles organisiert! Und Freitag kann meine Tochter nicht! Was hängt sich dieser Nachbar überhaupt da rein und ruft den Metallmenschen an?
„Sie können mit dem Chef ja auch selber telefonieren!“ sagt er achselzuckend und reicht mir die Handy-Nummer.
„Das werde ich tun!“
Am Telefon charmiert der Balkonggitterfirmachef und bedauert dieses ganze Hin und Her zutiefst. Er schiebt alles auf die Hausbesitzer und dies wahrscheinlich zu Recht.
Der Typ ist eigentlich sehr nett, wir plaudern und verabreden einen neuen Termin. „Sagen Sie aber Ihrem Nachbarn noch Bescheid!“ bittet er mich.
„Auf keinen Fall heute!“ sage ich. „Ich glaube, der ermordet mich, wenn ich noch mal bei dem klingele! So finster, wie er mich angeguckt hat!“
Der Chef lacht schallend! „Ja, so ist er manchmal, der Gute – also – mein Mann!“

Das hat man nun davon, wenn man neue Mieter nicht kennt…

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23 Antworten zu Two men

  1. inneres Stimmchen schreibt:

    Oh! Autsch! haha
    Mensch Frl. Krise… interessant, dass sie anscheinend keine von denen sind, die überm Fensterahmen hängen, wenn die neuen Nachbarn einziehen (ohne vielleicht mal zu fragen, ob man helfen soll/darf/kann)… Und dass sie wohl auch nicht diejenige sind, die als erste mit nem Kuchen vorbei kommt auf dem “Willkommen” steht…
    Naja… hauptsache man merkt, wenns nebenan zu stinken beginnt, wa? ;)

    • tria-muchacha schreibt:

      so toll ist das mit den gut gemeinten vorstellen-und-helfenwollern ja nicht. es gibt menschen, die es durchaus nicht schätzen, sich bei allen im haus vorstellen zu müssen bzw. alle der reihe nach auffe matte stehen zu haben (z.b. ich).
      und was ist, wenn man keinen kuchen essen darf oder will, z.b. wg. wettkampfvorbereitung/glutenunverträglichkeit? muss man also jedes mal jedem “gut gemeinten” neuankömmlingen die eigenen präferenzen und/oder die krankheitsgeschichte (oder, wie hier: die sexuelle orientierung) erklären? find ich doof.

  2. Stephan schreibt:

    Ups, der ging ja eher nach hinten los! Nah da sind wir ja mal gespannt ob und wann das Balkongitter erneuert wird! Wer weiß ob dann noch ein Balkon dran ist! ;-)

  3. nana schreibt:

    ich steh gerade ein bisschen auf dem schlauch – der balkongitterfirmamann ist mit dem nachbarn verheiratet?

  4. nadineswelt schreibt:

    Ach, Frl Krise, nicht meine Lebensstrategie übernehmen! Die lautet nämlich: Fettnäpfchen blind ausspähen, Anlauf und volle Kanne rein!

  5. spreemieze schreibt:

    Homosexualität unter Handwerkern und Muffigen wird jo oft nicht so öffentlich gemacht…

  6. Adirana schreibt:

    Ja und da kann er seinen Mann nicht selber anrufen???

  7. Olaf aus HH schreibt:

    Immer noch bzw. ich auch auf Schlauch…
    Wohnt der Balkongitterfirmamann, der mit dem Nachbarn verheiratet ist, dann nicht mit ihm zusammen ? Dann wäre er auch Ihr neuer Nachbar und könnte seinem Mann dann den neuen Termin doch selber mitteilen.
    Mmh.
    ?

  8. Lily schreibt:

    Wallah. Das ist aber kompliziert. Und das alles mit Eispäck an der Wange. Sie Arme.

  9. gitti schreibt:

    *brüllllll* na da muss man ja erst einmal drauf kommen …. herrlich

  10. Ulla39 schreibt:

    Hm, Two Men??? I’d rather say: One and a half …

  11. Olaf aus HH schreibt:

    Ich weiß, daß das thematisch hier nicht hineinpaßt, dennoch (eben gefunden, recht interssant):

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/wilhelmsburg-lehrer-versuchen-ihre-schueler-durch-musik-zu-motivieren-a-869595.html

    Bei einem ähnlichen Projekt (Theaterprojekt in der Oberstufe von Jungregisseurin, Jungschauspielern und interessierten Schülern mit zwei Stücken und jeweils einigen gutbesuchten und gelungenen Aufführungen im Schauspielhaus/ Malersaal, Beifall und Vorhänge satt !) konnte ich verfolgen, wie meine informelle Patentochter innerhalb von ca. einem Jahr mit Proben, Selbstzweifeln, Lampenfieber und eben den Aufführungen richtig gewachsen und selbstsicher geworden ist. Es war hinreißend, das mitzuerleben.

  12. Frau Hilde schreibt:

    Uh, einen Fettnapf vom Dreimeterbrett genommen, mes compliments… Sehr sympathisch! ;)

  13. Corinna schreibt:

    *lach* Herrlich! Mit so etwas rechnet man wohl eher nicht.

  14. RogueEconomist schreibt:

    “Und das in diesem ehrenwerten Haus…” :)

  15. tria-muchacha schreibt:

    wah, bauarbeiten-planung und telefonate zur terminvereinbarung – ein spaß der besonderen art *lach*
    aber Sie haben das ja grazil und amnutig gelöst. *schmunzel*

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